Probleme in/mit der Selbsthilfegruppe
Grundgedanke einer
Selbsthilfegruppe ist der Gedanken- und Erfahrungsaustausch mit
Menschen, die die gleichen Probleme haben wie man selbst. Das
Zusammensein in einer Gruppe wird vom Engagement des einzelnen getragen
- die Gruppe steht und fällt damit, wie sich jeder einzelne einbringt.
Nicht immer läuft das Gruppengeschehen problemlos ab. Die
Selbsthilfegruppe kann vor Situationen gestellt werden, mit denen sie
noch nicht vertraut ist. Wir wollen an dieser Stelle ein paar Tipps
geben, wie Probleme in der Gruppe bewältigt werden können.
"Stillstand" in der Gruppe I
Das wohl häufigste Problem
in einer Gruppe ist nach einiger Zeit ein gewisser
"Stillstand" - die Gruppenstunde gleicht mehr und mehr einem
Kaffeekränzchen, sei es, dass keine neue Mitglieder hinzukommen oder
dass es keinen Gesprächsstoff mehr gibt.
Vielleicht fehlt der Gruppe
der "frische Wind" durch neue Mitglieder. Hier kann ein Mangel
an Öffentlichkeitsarbeit vorliegen. Machen Sie Ihre Gruppe bekannt! Die
Betroffenen können nur kommen, wenn sie auch wissen, dass es Ihre
Gruppe auch gibt. Hier gibt es folgende Lösungsmöglichkeiten:
- erstellen sie gemeinsam in
der Gruppe Informationszettel, die Sie an öffentlichen Stellen wie
Suchtberatungsstellen, Arztpraxen, Büchereien, Gemeindehäusern oder
auch Kirchen auslegen.
- besuchen Sie gemeinsam Therapie-Einrichtungen. In den meisten
Therapie-Einrichtungen sind Besucher, nach vorheriger Absprache,
herzlich willkommen.
- Gehen Sie mit der Gruppe
in die Krankenhäuser - in vielen Krankenhäusern gibt es spezielle
Entgiftungsstationen. Sprechen Sie zuvor mit dem zuständigen
Sozialarbeiter einen Termin ab, wann Sie Ihre Gruppe vorstellen
dürfen.
- Schalten Sie Inserate in
lokalen Anzeigenblättern. Für Selbsthilfegruppen ist das meist
kostenlos und häufig wird sogar in einem kleinen Artikel über sie
berichtet.
- Auch Stadtfeste oder
Selbsthilfetage sind eine gute Gelegenheit sich vorzustellen.
Organisieren Sie einen kleinen Stand, mit dem Sie Ihre Gruppe
präsentieren.
"Stillstand" in der Gruppe II
Es mangelt an
Gesprächsstoff, allen geht es gut, niemand hat Probleme? Die Gruppe
gleicht einem Kaffeekränzchen? Sofern keine aktuellen Probleme bei den
einzelnen Mitgliedern vorliegen, haben Sie folgende Möglichkeiten:
- Veranstalten Sie Themenabende.
- Diskutieren Sie über ausgewählte Pro- und Kontra-Fragen.
- Organisieren Sie den Austausch mit anderen Selbsthilfegruppen.
- Machen Sie zu Beginn der
Gruppenstunde ein sogenanntes Blitzlicht - jeder einzelne soll
erzählen, was er in der vergangenen Woche erlebt hat und wie es ihm
dabei erging.
- Laden Sie eine/n Fachmann/frau
ein (z.B. einen Therapeuten oder Psychologen), der einen Vortrag zu
einem bestimmten Thema hält.
- organisieren Sie spontane
Gruppenfreizeiten. Das stärkt das "Wir-Gefühl" und die
Gruppe bekommt frischen Wind.
Der Rückfall eines
Gruppenmitgliedes - wie geht die Gruppe damit um?
Kaum ein Thema ist so
brisant, wie der Rückfall eines Gruppenmitgliedes. Für den
Rückfälligen selbst erfordert es sehr viel Mut, über den Rückfall zu
sprechen. Hier kommt es darauf an, wie die Gruppe reagiert. Bedenken
Sie, dass Rückfälle beim Alkoholismus eher die Regel als die Ausnahme
sind.
- Rückfälle kündigen sich
meist durch Fernbleiben des betreffenden Mitgliedes an. Halten Sie
Kontakt zu diesem Mitglied. Sinnvoll ist auch die Einrichtung einer
Telefonliste, so dass alle Mitglieder die Möglichkeit haben, Kontakt
untereinander zu halten.
- Machen Sie dem/r
Rückfälligen keine Vorwürfe oder Vorhaltungen, schreiben Sie ihm
nichts vor. Sorgen Sie für eine Atmosphäre der Offenheit und
Angstfreiheit.
- Bombardieren Sie ihn/sie
nicht mit Fragen. Der/Die Betroffene soll von sich selbst aus erzählen,
was passiert ist.
- Machen Sie das Thema
Rückfall öfters mal zum Hauptthema des Gruppenabends. Jedes Mitglied
soll über seine Gedanken, Hoffnungen und Wünsche sprechen.
- Es gibt "nasse"
und "trockene" Rückfälle. Der trockene Rückfall kündigt
sich meist durch Großspurigkeit, Gereiztheit und übertriebene
Selbstsicherheit an. Sprechen Sie das Gruppenmitglied auf dieses
Verhalten hin an.
- Lassen Sie jedes
Gruppenmitglied über eigene Rückfallerfahrungen berichten. Dies gibt
dem Rückfälligen Anregungen, aus der Situation herauszukommen.
- Geben Sie dem/der
Rückfälligen Geborgenheit in der Gruppe. Behandeln Sie den/die
Rückfällige/n nicht wie einen Aussätzigen.
Ein neues Mitglied kommt in die Gruppe
Die meisten von uns können
sich noch daran erinnern, wie schwer der erste Gang zu Selbsthilfegruppe
war. Wie kann einem neuen Besucher der Gruppe die Angst genommen werden?
- Machen Sie im großen
Kreis als erstes eine Vorstellungsrunde. Jeder sollte von sich
erzählen, wer er/sie ist und was ihn/sie in die Gruppe geführt hat.
Den Abschluss dieser Vorstellungsrunde sollte das neue Gruppenmitglied
machen.
- Sprechen Sie die typischen
Regeln einer Selbsthilfegruppe an. Das Gruppenmitglied muss wissen, dass
nichts nach "draußen" getragen werden darf etc.
- Lassen Sie die
Gruppenmitglieder von ihren ersten Erfahrungen in der Selbsthilfegruppe
berichten. Dies nimmt dem neuen Mitglied die Angst.
- Bombardieren Sie das neue
Mitglied nicht mit Fragen.
- Lassen Sie das neue
Mitglied erzählen, was es in die Gruppe geführt hat.
- Sie können vereinbaren,
dass ein neues Mitglied am Anfang einen "Paten" erhält.
Dieser "Pate" kümmert sich in der ersten Zeit um die Belange
des neuen Mitgliedes und weißt es in die Gruppenregeln ein.
Streit in der Gruppe
Die Gruppe ohne Konflikte
gibt es nicht. Wann immer Menschen aufeinander treffen, kann es aufgrund
verschiedener Interessen zu Meinungsverschiedenheiten kommen. Gerade
Suchtkranke sind besonders harmoniebedürftig und deswegen bedarf es
einer besonders sensiblen Konfliktlösung.
- Veranstalten Sie von Zeit
zu Zeit eine "Meckerrunde". Hier hat jedes Gruppenmitglied
Gelegenheit, seinen Unmut zu äußern. Diskutieren Sie erst nach einer
Pause über die angesprochenen Themen.
- suchen Sie gemeinsam in
der Gruppe nach einer Lösung. Machen Sie ein sogenanntes
"Brainstorming". Das heißt jeder kann Lösungsvorschläge
einbringen. Diese Lösungsvorschläge sollten von den anderen zunächst
nicht kommentiert werden.
- eventuell muss sogar die
Gruppe neu organisiert werden, um das Problem zu lösen. Beziehen Sie
alle Mitglieder dabei ein.
Die Gruppe verhält sich co-abhängig
Hier ein Beispiel zur Erläuterung:
Herr F. kommt regelmäßig zu Gruppenstunde und hat meistens
offensichtlich eine Alkoholfahne. Die Gruppe verhält sich
zurückhaltend, niemand spricht Herrn F. auf die Alkoholfahne an -
jedoch wird hinter seinem Rücken darüber gesprochen. Herr F. wird
dauerhaft alkoholisiert in der Gruppenstunde akzeptiert. Somit verhält
sich die Gruppe co-abhängig, in dem sie das Problem unter den Teppich
kehrt und sogar deckt.
- Der / die Betroffene
sollte direkt auf das Problem hin angesprochen werden. Diese Aufgabe
kann ein Gruppenmitglied oder der Gruppenleiter übernehmen. Dies kann
unter vier Augen oder auch innerhalb der Gruppe geschehen. Bieten Sie
dem / der Betroffenen Hilfe an. Diskutieren Sie über das Problem
- Machen Sie es zur
Grundregel der Gruppe, dass derartige "Verdachtsmomente" offen
angesprochen werden.
- Handeln Sie auch als
Gruppe konsequent. Kommt der / die Betroffene weiterhin alkoholisiert in
die Gruppe, sollte er / sie ausgeschlossen werden.
zum Anfang |
|
|
|
Termine
Zuletzt aktualisiert am: 10.07.2010
© A-Connect e.V.
|
|
|