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Medikamentenabhängigkeit

Von Medikamentenabhängigkeit bzw. Missbrauch sind in der Bundesrepublik ca. 1,4 Millionen Menschen. Zwei Drittel davon sind Frauen, überwiegend sind es Personen über 40 Jahre. Der Einstieg in die Medikamentenabhängigkeit ist meist an alltägliche Belastungssituationen geknüpft. Die Überforderung durch Mehrfachbelastung, Schichtdienst, mangelndes Selbstvertrauen, sich als Frau in einem männerdominierenden Umfeld durchzusetzen etc. Im Vordergrund steht nicht ein süchtiges Verhalten, sondern der Wunsch, die Arbeitsfähigkeit zu erhalten, leistungsfähig zu bleiben und durchzuhalten, auch wenn die physischen und psychischen Kräfte nachlassen.

Der alltägliche Gebrauch von Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmitteln unterscheidet sich von dem Dauergebrauch eines Arzneimittels wie zum Beispiel Insulin. Es gibt Krankheitsbilder, die einer regelmäßigen Medikation bedürfen. In solchen Fällen ist zwischen dem Risiko der Nebenwirkungen und dem Schaden durch Nichteinnahme abzuwägen. Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel sind grundsätzlich keine lebensnotwendigen Arzneimittel. Das heißt, man sollte sie nur kurze Zeit einnehmen und andere oder alternative Mittel zur Schmerzlinderung oder gegen die Schlafstörung probieren. Alternativen wären z.B. Entspannungsübungen oder bei Kopfschmerz zum Beispiel Pfefferminzöl auf die Stirn zu tupfen.

Für Medikamentenabhängige gibt es zu wenig spezifische Beratungsangebote und Selbsthilfegruppen - sie fallen in der Regel aus dem Versorgungsnetz für Abhängigkeitskranke heraus. Sie müssen sich, sofern sie eine Suchtberatungsstelle oder Selbsthilfegruppe besuchen, mit der Dominanz der Alkoholabhängigen auseinandersetzen. Der Mangel an speziellen Beratungs- und Selbsthilfeangeboten für Medikamentenabhängige hat folgende Ursachen:
  • Eine Medikamentenabhängigkeit kann über lange Zeiträume hinweg geleugnet werden. Im Gegensatz zum Alkohol gibt es kaum "Erkennungszeichen" wie z.B. die obligatorische Alkoholfahne.

  • Medikamentenabhängigkeit zu erkennen setzt hinreichende Informationen über die Wirkungsweisen der jeweiligen Wirkstoffe voraus.

  • viele Medikamente werden vom Arzt verordnet, das ist gesellschaftlich akzeptiert und Abhängige berufen sich darauf.

Die Wege in die Medikamentenabhängigkeit sind unterschiedlich. Gar nicht selten kommt es vor, dass alkoholkranke Menschen, wenn sie trocken geworden sind, "umsteigen" - man spricht auch von Suchtverlagerung. Häufiger Grund der Medikamentenabhängigkeit ist aber auch die ärztliche Verordnung. Viele Ärzte verharmlosen die Gefahren einer Abhängigkeitsentwicklung und klären die Patienten nicht ausreichend über die Nebenwirkungen der Schlaf-, Beruhigungs- und Schmerzmittel auf. Manche Ärzte sind schlichtweg unwissend, was suchtkrank bedeutet - so kommt es leider immer wieder vor, dass auch trockene Alkoholiker Benzodiazepine und dergleichen verordnet bekommen, die hochgradig abhängig machen. Die Gefahr der Suchtverlagerung ist enorm groß.

Der Medikamentenentzug ist schwerer und langwieriger als der Alkoholentzug und sollte auf jeden Fall unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. Die Entzugssymptome (Ängste, Unruhe, Depressionen, Schlaflosigkeit etc.) können sich auch noch lange Zeit nach der Entgiftung bemerkbar machen. Hinzu kommt, dass sich die Entzugserscheinungen nicht immer klar von den ursprünglichen Symptomen, die zur Medikamenteneinnahme geführt haben, unterscheiden lassen. Da die Entzugserscheinungen nicht wiederum mit Medikamenten behandelt werden kann, wird häufig ein "Ausschleichen" der Wirkstoffe angeordnet. Das heißt, das Medikament wird langsam absteigend dosiert, sodass der Körper sich auf die jeweilige Menge ohne bzw. mit nur geringen  Entzugserscheinungen einstellen kann - solange bis die Dosierung bei Null angekommen ist.

Psychisch wirksame Medikamente sind Substanzen, sie ihre Wirkung im zentralen Nervensystem entfalten. Diese Arzneimittel verändern das psychische Erleben, indem sie beruhigen, dämpfen, anregen, Ängste reduzieren und gleichgültiger gegenüber Umwelteinflüssen machen. Alle diese Substanzen haben ein unterschiedlich hohes Suchtpotential, das heißt, der Körper gewöhnt sich nach einiger Zeit an den Stoff (er entwickelt eine Toleranz).

Folgende Medikamente können zur Medikamentenabhängigkeit führen:

Mischanalgetika (Schmerzmittel)
Diese enthalten neben dem schmerzstillenden Wirkstoffen häufig Codein, Coffein oder Ergotamin, welche sehr anregend wirken und dadurch ein hohes Suchtpotential haben. Alle Schmerzmittel mit mehr als einem Wirkstoff zählen zu den Mischanalgetika. Zum Teil sind sie verschreibungspflichtig.

Benzodiazepin-Derivate
Sie werden als Tagesberuhigungsmittel (Tranquilizer) und als Schlafmittel (Hypnotika/Sedativa) eingesetzt. Diese Medikamente sind rezeptpflichtig und müssen vom Arzt verordnet werden. Sie wirken beruhigend, angstlösend und entspannend. Eine Gewöhnung ist schon nach zwei bis drei Wochen möglich. Sollten Diazepam, Bromazepam, Triazolam oder Lorazepam als Wirkstoffe angegeben sein, ist äußerste Vorsicht geboten!

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Zuletzt aktualisiert am: 19.05.2017




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