Bericht zum CT 2006 in Meinerzhagen

Meine Gefühle auf der Hinfahrt waren Vorfreude, Neugier auf viele „neue“ Begegnungen und natürlich auch auf die schon bekannten Gesichter.
Am Samstag gegen 13 Uhr rollte ich dann also mit meinem kleinen Auto den Weg zum Naturfreundehaus hinunter. Dort saßen schon einige Leute tapfer vor dem Haus in der wirklich sehr frischen Luft.
Einer der schönsten Teile des CTs begann dann: mitzuerleben, wie alle nacheinander wohl behalten und guter Laune eintrudelten.
Die beiden Pferde auf der Nachbarkoppel ahnten sicher nicht, was sich da für eine multikulturelle Gruppe für das Wochenende eingefunden hatte, denn sowohl Berlin, als auch Basel und Menden waren präsent, Metropolen, wo das Leben pulst...von Heiligenhaus gar nicht erst zu sprechen.
So zeigte sich das urbane Temperament geballt am Samstag abend. Trotz cholesterinreicher Grillspeisen (Nacken, Würstchen, Bauch) folgten wir dann beim Square-Dance den wilden Rhythmen, die Egbert durch liebevolle „Vorschläge“ verstärkte.
Je mehr sich das Saturday Night Fever ausbreitete, desto stärker fielen ursprüngliche Vorbehalte gegenüber des Tanzens an sich. Man konnte erkennen, dass auch Kopf-und Rückenschmerzgeplagte mit Inbrunst ihren „Corner“ oder „Partner“ an sich rissen, und sich dem (gesunden) Rausch der Körperertüchtigung hingaben.
Auch kleinere Hämatome beim „Go to the middle“ wurden hingenommen. Egbert, der stets das Damenschweißtuch bereit hielt, bewies vorbildliche Gelassenheit, obwohl der eine oder andere Teilnehmer sicher die korrekte Haltung beim Square-Dance vermissen ließ. Die Geräusche bei der anschließenden Kür hätten jeden Wanderer draußen überzeugt, dass drinnen ein Kegelclub hochprozentig seine Kasse verjubelt.
Das gute Gefühl, ganz und gar ohne Alkohol mit Menschen ausgelassen feiern zu können, hat mich als trockene Alkoholikerin einmal mehr von meinem Entschluss, abstinent zu leben, überzeugt.

Der nächste Tag, Pfingstsonntag, begann mit einem guten Brötchen/Wurst/Käse/Müsli-Frühstück. Ich hatte den Eindruck, dass es kaum einen störte, dass es erst 8 Uhr war, wo man sonst vielleicht noch in den warmen Kissen liegt.
Verquollene Schlafäuglein wurden unternehmungslustig aufgerissen, und sahen einem neuen, geselligen Tag entgegen.
Leider hatte sich Susannes Einschlafstunde noch etwas verzögert, da sie sich mit Recherchen beschäftigen musste, aus welchem der Herrenzimmer polternde Geräusche drangen. Bevor sie ihr misstrauisches Augenmerk auf Nick und adses Zimmer richten wollte, musste sie feststellen, dass die Herren die üblichen Schlafgeräusche machten, und sie ortete den Lärm dann aus den Zwischenböden unterm Dach. Da bewies sie - wie Egbert - auch Gelassenheit, wollte sie sich doch nicht allein mit einem Poltergeist anlegen. Wie der Herbergsvater dann aufklärte, handelte es sich dabei um einen Hausmarder, der unterm Dach dafür sorgt, dass sich nichts Schlimmeres ansiedelt. Ein beruhigendes Gefühl!
Nachdem der Morgen durch Gespräche jeglicher Art, Spaziergänge zu zweit oder mehreren und Mutmaßungen über das Mittagessen (Sauerkraut oder Rotkohl?) gestaltet wurde, wurden am Nachmittag dann Angebote wahrgenommen.
Eine kleine Gruppe konnte einer Einrichtung für Korsakow-Kranke, dem Hof Müllerheide einen Besuch abstatten. Die gewonnenen Eindrücke waren offensichtlich stark, denn keiner der Teilnehmer zeigte sich sofort sehr mitteilungsbedürftig bei der Rückkehr. Eine andere Gruppe sah sich einen Film in Form eines Kammerspiels an, der die Gedanken eines Alkoholabhängigen darstellte. Assoziationen der Teilnehmer wurden danach geäußert, und führten zu beeindruckenden Gesprächen untereinander.
Zwischenzeitlich waren auch die sonntäglichen Eintagesgäste eingetroffen. Rike – sehr verschnupft – wurde gleich in Jacken gehüllt, um nicht von dort aus gleich mit Lungenentzündung ins nächste Krankenhaus zu kommen. Voddi mit seinem heißen Ofen (Motorrad) aus nächster Umgebung kurvte gleich mit Nick und seiner Souvlaki um die Talsperren.
An dieser Stelle müssen einfach auch mal die Kinder der Wochenend-Teilnehmer erwähnt werden: mögen sie denn zu Hause sein, wie sie wollen, ob knatschig, frech, aufsässig oder übellaunig – ich fand es einfach höchst erfreulich, wie gut sie sich alle verstanden haben, wie offensichtlich zufrieden sie waren, wie aufmerksam sie den Tisch mitdeckten, wie wenig Langeweile sie hatten, und wie lebensfroh sie sich in immer verdreckterem Zustand fröhlich zurück meldeten. Eine Kirmes im Ort tat dann noch zwischendurch das Übrige, um eventuelle „Durststrecken“ der Kids zu überbrücken.
Ach, apropos Kiddies....an die Tochter von Susanne, die ja KEIN Kind mehr ist: lieben Dank für die Gespräche mit dir, das erleichternde Lachen und Albern, und nicht zuletzt für deine professionellen Video-Aufnahmen! So kann ich mich ja auch mal sehen, wie ich mich beim Tanzen blöd anstelle! Wiiitz!

Tja, und nun sind wir an der Stelle angekommen, da sich bei einigen CTlern schon so langsam der Abschiedsschmerz einschlich. Wo waren die Stunden nur geblieben! Nur noch morgen, dann Abschied! Erst freut man sich Monate lang, und schon ist es wieder fast vorbei! Aber ein Abend blieb uns ja noch, den wir dann wirklich bis auf die Knochen durchgefroren gnadenlos draußen verbrachten.

Am letzten Morgen brauste dann Nick sofort nach dem Frühstück wieder Richtung Hauptstadt, aber ein nicht kleiner Kreis der Leute entschloss sich, doch noch das Mittagessen zusammen einzunehmen. Vor dem Essen trug uns Jörg noch einen Vortrag über das Suchtgedächtnis vor, der von Dr. Vosshagen, dem leitenden Psychologen der Fachklinik Kamillushaus in Essen verfasst war. Auch danach wurde eine Diskussion geführt. Ein abschließendes, sehr offenes Gespräch über verschiedene Angelegenheiten, die man besser von Angesicht zu Angesicht als im Chat bereden kann, rundete das Wochenende ab.
Beim anschließenden Mittagessen wurde es dann noch mal so gemütlich, dass Mümi und adse den Zug Richtung Köln verpassten. Sie wurde aber dann noch wohl behalten per Auto in die Domstadt gefahren, von wo aus sie dann ihren etwas weiteren Heimweg per Bahn fortsetzen konnten.
Bis auf eine „kleine“ Unterbrechung durch herum fliegende Zündkerzen sind dann am Ende des Pfingstwochenendes alle wieder sicher heimgekehrt, vermutlich voller Eindrücke und Anregungen wie ich, ein jeder auf seine eigene Weise.
Mir bleibt auf jeden Fall ein Wochenende in Erinnerung, das von gegenseitiger Toleranz und Aufgeschlossenheit unter sehr verschiedenen Charakteren geprägt war, die sich unter einem gemeinsamen Sinn getroffen hatten.
Ich freue mich aufs nächste Mal...es muss ja nicht erst nächstes Jahr sein.

Karen